Eine Schule für alle!
Das Reuterquartier bekommt eine Gemeinschaftsschule
Sie haben es geschafft: Die Franz-Schubert-, die Rütli- und die Heinrich-Heine-Schule starten nach den Sommerferien 2008 gemeinsam das Modellprojekt Gemeinschaftsschule. Damit sind sie eine von elf Berliner Schulen, die sich auf den Weg machen, für Kinder Grenzen in der schulischen Laufbahn zu beseitigen. Der Vorteil eine solche Schule gerade in einem Kiez wie dem Reuterquartier zu etablieren liegt auf der Hand: Schüler werden zukünftig nach der Grundschule nicht mehr aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Leistungen oder ihres sozialen Status in entsprechende Schulformen sortiert. Von der ersten Klasse bis zum Abschluss soll kein Kind mehr auf der Strecke bleiben. Durch den Ganztagsschulbetrieb erhält die Schule zudem eine neue Bedeutung, denn sie wird tatsächlich Lebensmittelpunkt für die Schüler. Dazu gehört auch, dass die Schulen bereit sind, sich zu öffnen – Elternmitarbeit ist ausdrücklich erwünscht. Schule soll ein Ort werden, an dem sich alle wohl fühlen: Schüler, Lehrer und Eltern. Daher werden die Schüler auch bei der Gestaltung ihrer Schule nicht nur mitreden, sondern aktiv einbezogen. Gemeinsames und selbst organisiertes Lernen stehen genauso auf dem Programm der Schule wie die individuelle Förderung. Ein spannender Prozess kommt hier in Gang, der vor allem eines zum Ziel hat: Chancengleichheit für alle. Oder wie es in Finnland heißt: „Kein Kind beschämen, kein Kind zurücklassen; jedes Kind zählt und verdient Unterstützung.“
Stichwort Gemeinschaftsschule
Was ist eine Gemeinschaftsschule?
Sie ist die Alternative zum mehrgliedrigen Schulsystem. Der Besuch einer Gemeinschaftsschule ist von der ersten bis mindestens zur 8. besser allerdings bis zur 10. Klasse möglich. Aufgrund dieses Konzeptes haben alle Kinder die Chance einen möglichst guten Schulabschluss zu machen.
Was sind die Ziele der Gemeinschaftsschule?
Gemäß dem Positionspapier der Organisation „Runder Tisch Gemeinschaftsschule Berlin“ vom 23. Mai 2007 werden als wesentliche Ziele festgelegt:
- „Stärkung und Weiterentwicklung einer demokratischen Gesellschaft mündiger Bürger“
- Die Entwicklung kognitiver, personaler und sozialer Kompetenzen, „die zur aktiven und selbstbestimmten Lebensgestaltung in der demokratischen Gesellschaft beitragen.“
- „Hebung des Kompetenzniveaus aller Kinder und Jugendlichen“
- Unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft sowie von ihrem Geschlecht soll allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit erfolgreicher Bildung gegeben werden
- Einbeziehung der Eltern und außerschulischer Partner
- „Individuelle Förderung, so dass alle Schülerinnen und Schüler einen qualifizierenden Schulabschluss erreichen“
Wo gibt es bereits Gemeinschaftsschulen?
In Deutschland setzt sich das Modell der Gemeinschaftsschule erst langsam durch. In Sachsen ist der Besuch einer Gemeinschaftsschule seit dem Schuljahr 2006/2007 möglich. Es folgte im Februar 2007 Schleswig-Holstein als zweites Bundesland. Die Berliner Modellprojekte laufen im Schuljahr 2008/2009 an. In Neukölln gibt es allerdings seit langem zwei Gemeinschaftsschulen: Die Fritz-Karsen-Schule und die Evangelische Schule Neukölln. Beide Schulen ermöglichen ihren Schülern sogar einen Abiturabschluss. Im europäischen Ausland ist die Gemeinschaftsschule dagegen eher Standard. Vor allem die Erfolge der skandinavischen Länder in den jüngsten PISA-Studien werden als Beleg dafür gesehen, dass die Gemeinschaftsschule den Schülerinnen und Schülern zu Gute kommt.






