Deutschlandfunk sendete live aus dem MittenMang

07.04.2005 -  
Hektik bestimmte ab 7 Uhr morgens das Tagesgeschehen: Kabel wurden verlegt, Mikrofone gecheckt, Tische umgeräumt und andere Tische aufgebaut. Zwischen 9 und 10 Uhr kamen dann die eingeladenen Gäste zur Livesendung Länderzeit des Deutschlandfunks: Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, Innensenator Dr. Ehrhart Körting, Professor Hartmut Häußermann von der Humboldt-Universität, Frau Eren Ünsal vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg e.V. und Ulrike Banach, die neue Direktorin der Franz-Schubert-Grundschule.

Die Redakteure der Sendung Petra Ensminger und Andreas Beckmann stellten zur Einführung den Reuterkiez vor mit seinen Eigenheiten, aber auch mit seinem „Allerweltscharakter“. Als Spezialistin für das Quartiersgebiet kam dann Ilse Wolter zu Wort. Nach diesen einleitenden Worten ging es relativ schnell zur Diskussion – Was muss getan werden, um Integration erfolgreich zu gestalten? Angesprochen wurden hier vor allem eine bessere Ausstattung der Schulen und eine verbesserte Sprachförderung schon in den Kindertagesstätten, aber auch für Erwachsene. Hier wurde schnell klar, dass in benachteiligten Gebieten keineswegs der höhere Migrantenanteil das eigentliche Problem ist, sondern vielmehr eine große bildungsferne Schicht unabhängig von einer bestimmten ethnischen Zugehörigkeit. Was kann die Mehrheitsbevölkerung von Migranten erwarten? Die Teilnehmer einigten sich relativ schnell, dass keiner eine Assimilation in die „deutsche“ Mehrheitsgesellschaft und eine Aufgabe der mitgebrachten kulturellen Identität erwartet, grundsätzlich aber die Akzeptanz der Werte in diesem Land selbstverständlich sein sollte.
Emine Yilmaz, Projektleiterin der lokaPOST im MittenMang, nahm ebenfalls kurz Stellung. Sie schilderte ihre ersten Eindrücke als sie vor zwei Jahren neu aus Baden-Württemberg nach Berlin zog. Sie wäre damals überrascht gewesen, wie „türkisch“ ihre Landsleute hier in Berlin seien. Für sich und ihren Sohn wünscht sie sich weiterhin eine möglichst bunte Gesellschaft. Von ihren Landleuten erwartet sie aber auch mehr Offenheit und dass Eltern mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen. Viele weitere Punkte wurden angesprochen, doch leider waren selbst neunzig Minuten zu kurz, um alles zu klären. Deutschlandweit riefen Hörer an, deren Fragen gesammelt an die Diskussionsteilnehmer weitergegeben wurden. Die Sendung zeigte letztendlich, dass diese Diskussion noch ernsthaft auf allen Ebenen mit allen Teilen der Gesellschaft geführt werden muss.
Wer die Live-Sendung verpasst hat, braucht nur etwas Geduld: In etwa zwei Wochen wird ein Mitschnitt der Sendung auf CD-ROM im MittenMang und im QM-Büro auf Leihbasis zu erhalten sein.

fotos: YWinkelmann; text: SPfau


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