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Unser Quartier

Die Luftaufnahme wurde uns freundlicherweise von von all air charter Berlin zur Verfügung gestellt; (c) www.aac-berlin.de

Das Reuterquartier liegt im äußersten Nordosten des Bezirks Neukölln von Berlin und grenzt im Norden und Westen an Kreuzberg an. Seinen Namen verdankt es dem niederdeutschen Volksschriftsteller Fritz Reuter, nach dem auch der zentrale Platz benannt ist. Das Gebiet weist mit dem Kottbusser Damm, der Sonnenallee und dem Maybachufer nach drei Seiten markante Grenzen auf. Charakteristisch ist im westlichen Bereich der hoch verdichtete Altbaubestand mit Vorderhäusern, Seitenflügeln und Quergebäuden. Das Quartier präsentiert sich heute als multikultureller Stadtteil, der mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen hat, aber auch viele positive Seiten und Potenziale hat. Seit 2012 ist das Quartier als Präventionsgebiet eingestuft.

Ausgehend von einem Quartier, in dem 35% der Läden leer standen, das von Arbeitslosigkeit und Armut gekennzeichnet war und dem Familien spätestens dann den Rücken kehrten, wenn die Kinder schulpflichtig wurden, hat sich in den letzten Jahren einiges zu Positiven verbessert. Aber auch heute noch befindet sich der Reuterkiez im stadtweiten Vergleich im unteren Viertel aller Berliner Quartiere (Monitoring 2010) in Bezug auf die soziale Situation der Bewohner.

Inzwischen wird im Reuterkiez - wie auch in anderen innerstädtischen Altbaugebieten - intensiv über steigende Mieten und eine damit einhergehende Verdrängung von ärmeren Bewohnern diskutiert. Die neuen Läden und Galerien, die sich angesiedelt haben, werden einerseits als Belebung des Quartiers begrüßt, andererseits werden Befürchtungen laut, dass dadurch noch mehr finanzstarke Klientel angelockt wird.

Dem QM-Team stehen nur sehr begrenzt Instrumente zur lokalen Steuerung von Verdrängungs- und Mietsteigerungsprozessen zur Verfügung. Beim Einsatz der Fördermittel "Soziale Stadt" wurde und wird jedoch verstärkt geprüft, ob damit unerwünschte Verdrängungstendenzen einhergehen könnten. Entsprechend wird der Schwerpunkt der Arbeit auf Bildung und Integration zur Stärkung der benachteiligten Bewohnergruppen gelegt.

Daten und Fakten

Lage   Im Nordosten des Bezirks Neukölln, angrenzend an die Bezirke Kreuzberg und Treptow
     
Größe   Ca. 70 Hektar
     
Eigentümerstruktur   Ca. 500 Grundstücke, überwiegend im Besitz von privaten Eigentümern
     
Nutzung   Nutzungsmischung von Gewerbe und Wohnen, Grünflächendefizit, dichte Bebauung
     
Miete   Überwiegend einfache Wohnlage laut Mietspiegel 2011 mit ortsüblichen Vergleichsmieten von 4,88€ bis 6,48€ (nettokalt/m²) in Abhängigkeit von Größe, Ausstattung und Baualter der Wohnung). Erhöhte Nachfrage nach Wohn- und Gewerberäumen, steigende Mieten.
     
Gewerbe   Ca. 350 Gewerbebetriebe, überwiegend kleine und kleinste Betriebe, davon etwa 50% von Migranten geführt. Existenzgründungen im Bereich Creative Industries, Gastronomie.
     
Bevölkerung   18.920 Einwohner; 37,1% der Bewohner sind zwischen 18 und 35 Jahre alt (Statistisches Landesamt Berlin-Brandenburg 30.6.2011) 27% Bewohner ohne deutschen Pass (neuköllnweit 21,5%, berlinweit 13,7%). Bewohner mit Migrationshintergrund 43,3% (Statistisches Landesamt Berlin-Brandenburg 30.6.2011). Bis zu 95% Kinder nicht-deutscher Herkunftssprachen in den Schulen.
     
Sozialdaten   Bezieher von Transferleistungen 5.221 bzw. 27,3% (Gebietsmonitoring 2010). Ca. 75% der SchülerInnen sind von Lernmittelzuzahlung befreit. Arbeitslose 1.841 bzw. 9,62%; die Arbeitslosenquote liegt nicht gebietsscharf vor, aufgrund der Bewohnerzusammensetzung ist eine deutlich höhere Quote als der Berliner Durchschnitt von 18% wahrscheinlich, besonders betroffen sind Migranten, Langzeitarbeitslose und Jugendliche. Rang 343 von 434 LOR (Monitoring 2010 durch Prof. Häußermann)
     
politische Teilhabe   45,1% bis 46,6% bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus Berlin 2011 in ausgewählten Stimmbezirken (berlinweit 60,2%, neuköllnweit 57,2%). Zweidrittel der erwachsenen Quartiersbewohner wollen oder dürfen nicht wählen.
     
Soziale Infrastruktur   3 Grundschulen, 1 Gemeinschaftsschule (2 Oberschulen, 1 Grundschule, gymnasiale Oberstufe) – Campus Rütli – CR², 1 Jugendzentrum, 1 Mädchenstadtteilladen, 5 Kindertagesstätten, 16 Elterninitiativkitas, 3 christliche Kirchen, 1 Moschee, 7 Migranten- und Kulturvereine, 1 Sportplatz, 5 Kinderspielplätze, 1 Kinderspielplatz für Skater und Basketball.
Wohn- und Geschäftshäuser am Kottbusser Damm um 1910, Foto: Heimatmuseum Neukölln

Entstehung und Bebauungsgeschichte
Das Reuterquartier war ursprünglich eine sumpfige Wiesen- und Buschfläche. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage am Schifffahrtskanal und an einer Verbindungsstraße nach Berlin ließen sich Mitte des 19. Jahrhunderts erste Gewerbebetriebe am heutigen Maybachufer nieder. Am Kottbusser Damm und parallel dazu wurden die ersten Wohn- und Gewerbebauten erstellt. Zwischen 1871 und 1905 stieg die Einwohnerzahl von ca. 8.000 auf ca. 15.300 Einwohner. In dieser Zeit entstand das typische Berliner Altbauviertel. Hinterhof-Fabriken und Gewerbehöfe erinnern an das einstige Gewerbeviertel.
 
Wer mehr über die Geschichte des Quartiers erfahren möchte, kann sich im Quartiersbüro die Broschüre "Wo Neukölln auf Kreuzberg trifft" abholen.

Die Gebietskarte des Quartiersmanagements Reuterplatz.